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China-Austausch Zhenjiang 2013

Schulaustausch 1st Middle School of Zhenjiang - KFG 2013

 

Bericht: Anna Schellinger


Fr├╝h am Morgen des 11. Septembers trafen sich 18 Sch├╝ler des KFG sowie Frau Mair und Herr Nagel, um zur langen Reise zum Land der Mitte aufzubrechen. Die Zugfahrt zum Flughafen und die Fl├╝ge selbst (mit Zwischenstopp in London) verliefen im Gro├čen und Ganzen ohne gr├Â├čere Zwischenf├Ąlle. Dennoch waren alle froh, nach mehr als 10 Stunden Flug endlich in Shanghai an die frische Luft zu kommen. Beim Aussteigen wurde uns ziemlich schnell bewusst, dass sich in China "frische Luft" anders definiert als bei uns. Zum Einen war es sehr warm (30┬░C plus), also keinesfalls k├╝hler als im gerade noch als "hei├č" empfundenen Flugzeug, zum Anderen scheinen die deutschen Medien in Bezug auf den Smog im Umfeld von Gro├čst├Ądten tats├Ąchlich nicht zu ├╝bertreiben. Bei der etwa vierst├╝ndigen Fahrt nach Zhenjiang, Provinz Jiangsu, Partnerstadt Mannheims, wurde der Zustand der Luft dann sogar sichtbar. ├ťberall schien sich ein hartn├Ąckiger Nebel zu halten. Die Sicht war in der Folge eingeschr├Ąnkt.

Der Eindruck der unz├Ąhligen Hochh├Ąuser, die sich, gerade im Bau befindlich, an den Seiten der "G2", einer Art chinesischen Autobahn (Tempolimit 120 km/h), reihten, war schier unvorstellbar. Ein Blick aus dem Fenster, der nicht mindestens eine, eher deutlich mehr, Baustellen einschloss, war nahezu unm├Âglich. Nicht nur der Verkehr, dessen Regeln uns leider nur schwer ersichtlich waren (streng nach dem Prinzip "Wer am meisten hupt, gewinntÔÇť), war verbl├╝ffend. Kurz vor Zhenjiang wurde eine Pause an einer Autobahnrastst├Ątte n├Âtig. Dort erwartete insbesondere den weiblichen Teil unserer Gruppe eine mehr oder weniger "unangenehme" ├ťberraschung: Die Toiletten bestanden lediglich aus einem mit Keramik ausgekleideten Loch im Boden, von einer Klosch├╝ssel war weit und breit nichts zu sehen. Das Gleiche traf auch auf Toilettenpapier und Seife zu. Drau├čen erholten wir uns von unserem "Schrecken" und machten gleich noch eine weitere Entdeckung: Jeder schien uns anzustarren. Zu Beginn f├╝hlt sich das wirklich seltsam an. Jedenfalls wurde uns schnell klar, dass wir uns wohl daran gew├Âhnen mussten.

Bald hatten wir die Stadt erreicht. Nun musste noch das Geld gewechselt werden, was sich als nicht so einfach wie erwartet herausstellte. Eine ganze Weile sp├Ąter konnten wir dann endlich unseren Weg zur 1st Middle School of Zhenjiang, der Partnerschule des KFGs, fortsetzen. Beim Aussteigen erwarteten uns bereits der Schulphotograph sowie ein Kameramann eines lokalen Fernsehsenders, die eifrig unsere Ankunft f├╝r die Zukunft festhielten. Nachdem alles Organisatorische geregelt war, trafen wir unsere Gasteltern und machten uns auf in unser neues Heim f├╝r zwei Wochen.

Am n├Ąchsten Morgen erwartete uns, nach einer f├Ârmlichen Begr├╝├čung samt ├ťbergabe von Gastgeschenken, eine F├╝hrung durch das schuleigene Museum. Hier staunten wir nicht schlecht, als wir pl├Âtzlich zwischen all den f├╝r uns unverst├Ąndlichen Bildern und Untertiteln Herrn Wiegand auf einem Foto entdeckten (bei der Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrags). Es folgte eine F├╝hrung ├╝ber das riesige Schulgel├Ąnde, die dann im Speisesaal der Lehrer endete. Dort bekamen wir eigens ein Buffet aufgetischt. Nach einer kleinen Pause gingen wir zusammen mit unseren Gastgeschwistern in den Unterricht. Hier hatten die Sch├╝ler extra einen kleinen "Willkommensvortrag" vorbereitet, der haupts├Ąchlich Zhenjiang behandelte. Wir Deutsche sa├čen alle zusammen im hinteren Teil des kleinen Klassenzimmers, das 60 Sch├╝lern an sehr kleinen Tischen mit St├╝hlen ohne Lehnen Platz bot. Aufgeregt wurden wir pers├Ânlich von einigen Chinesen begr├╝├čt, es wurden Fotos gemacht und um Unterschriften gebeten. Da wir uns revanchieren wollten, das Badener Lied aber leider im chinesischen Internet gesperrt war, entschieden sich Kilian und Leon kurzfristig dazu, "Yesterday" zum Besten zu geben, was ihnen nahezu Standing Ovations einbrachte. Zum Schluss stellte sich jeder unserer Gruppe einzeln vor der Klasse kurz vor, bedankte und verabschiedete sich.

Au├čerhalb des Klassenzimmers wurden wir von einer gro├čen Schar von Sch├╝lern umringt, die sich sogar auf mehrere Stockwerke verteilte. Jeder schien wegen unseres Besuches ganz aufgeregt zu sein. Weiter ging es zum Kalligraphieunterricht, den der Direktor der Schule extra f├╝r uns veranstaltete. Hier zeigte er uns die verschiedenen Stile der chinesischen Kalligraphie und worauf beim Malen zu achten ist. Jedem unserer Gruppe schenkte er einen von ihm hergestellten Schriftzug, wobei er dessen Bedeutung, die selbst f├╝r andere Chinesen kaum zu entschl├╝sseln ist, kurz erkl├Ąrte. Nach vielen Bitten seitens unserer Austauschpartner bekamen auch sie ein solches. Unsere Lehrer erhielten au├čerdem besonders wertvolle Schriften, die ebenfalls von Herrn Chan gefertigt wurden.

Mit diesem Unterricht endete auch der Schultag, woraufhin fast alle Sch├╝ler des Austauschs gemeinsam Essen gingen. Wir waren alle von der Eleganz des Restaurants, das Teil eines edlen Hotels ist, ├╝berrascht. Hier gab es ein sehr umfangreiches chinesisches Buffet, das keine W├╝nsche, weder Dessert, noch Getr├Ąnke aller Art, offen lie├č. Um den Tag abzurunden, wurde uns der Besuch eines Shopping Centers angeboten (die L├Ąden schlie├čen in China nicht vor 22:00 Uhr), was wir uns nat├╝rlich nicht entgehen lie├čen. Die Fahrt im Taxi allein war schon eine Erfahrung f├╝r sich, so m├╝ssen sich in China wohl nur Fahrer und Beifahrer anschnallen, auf den hintern Sitzen sind hier ├╝berhaupt keine Gurte vorhanden. Aber auch das Verkehrsaufkommen ist ein ganz anderes, viele Mofas, Fahrr├Ąder, Busse und teilweise auch Laster k├Ąmpfen um die Vorfahrt. Was einen Europ├Ąer schon manchmal ziemlich an die Grenzen bringen kann, z.B. wenn das Taxi beinahe ein Mofa, beladen mit zwei Kindern, zwei Erwachsenen und einem keine drei Monate altem Baby, umf├Ąhrt. An dieser Stelle m├Âchte ich jedem dringend davon abraten am chinesischen Verkehr teilzunehmen, der nicht mindesten ein Jahr dort gelebt hat! Ein System ist kaum zu erkennen! Das Shoppingcenter ist wie viele andere Geb├Ąude bunt beleuchtet und riesig. das Innere bildet einen krassen Kontrast zu dem Bild, das viele von China haben. Ein Luxusladen reiht sich an den anderen, die Aufmachung ist mindestens genauso edel, wie in einem deutschen, modernen Kaufhaus. Dort befindet sich sogar eine Art Spielhalle (ohne Altersbegrenzung), in der man Spiele aller Art (Autorennen, Gl├╝cksrad, Basketball, aber auch mir v├Âllig unbekannte Games) spielen kann. Auch hier waren wir wie ├╝berall eine Sensation. Nach einem Tee, der gemischt mit Milch und Sahne, sowie Keksst├╝ckchen, eine moderne chinesische Spezialit├Ąt (Bubble Tea) zu sein scheint, ging es dann wieder nach Hause. Die Zeit war schon stark vorangeschritten, m├╝de fielen wir also in unsere Betten.

Am Samstag besuchten wir zuerst den Jinshan Park, der einen wundersch├Ânen, alten buddhistischen Tempel umschlie├čt. Nahe befindet sich auch der bekannte Yangtse-Fluss, dessen Breite uns wirklich beeindruckte. Hier erkl├Ąrte uns unsere F├╝hrerin einiges und f├╝hrte uns schlie├člich auf den hohen Turm (ca. 6 Stockwerke) des Tempels hinauf. Hier bot sich uns ein einmaliger Blick auf Zhenjiang und die Region, wobei aber weiter Entferntes im Smog verschwand. Der Aufstieg gestaltete sich als eher schwierig, da nur eine unglaublich schmale Treppe gab und Menschen gleichzeitig, in einem nicht abrei├čenden wollenden Strom, hoch und runter liefen. Danach ging es weiter zum alten Hafen "Xijndu", der heute als eine kleine Einkaufsstra├če genutzt wird, fr├╝her aber als Ausgangsstelle f├╝r die F├Ąhre zum Tempel im Jinshan Park diente. Ein gem├╝tlichen Bummel sp├Ąter fuhren wir weiter zum "Vinegar Culture Museum of China Zhenjiang", wo sich alles um den in China ber├╝hmten Essig aus Zhenjiang, eine Spezialit├Ąt, drehte. Wir erfuhren ├╝ber seine Geschichte, die bereits in den Kaiserdynastien begann, seine Herstellung, die sich doch stark von der unseres Essigs unterscheidet, und seine heutigen Ausf├╝hrungen, die vom traditionellen Essig, ├╝ber Essiggetr├Ąnke, bis zu s├╝├čen Essigbonbons reichen. Teil des Museums ist sogar ein ehemaliges Filmset, in dem eine TV-Serie ├╝ber die Geschichte der Essigfirma gedreht wurde. Es handelte sich dabei um einen Nachbau einer Fabrik vor gut 100 Jahren und mehr, samt den damals ben├Âtigten Werkzeugen. Nachdem wir uns alle nach der F├╝hrung reichlich mit solchen Produkten eingedeckt hatten, ging es zur├╝ck zur Schule, wo unsere Gasteltern schon auf uns warteten.

F├╝r Rosalie und mich stand noch ein wichtiger Programmpunkt auf dem Plan: Wir besuchten ein Fu├čballspiel zwischen der Mannschaft der Provinz Jiangsu und der einer anderen. 27.000 Menschen wohnten dem Spektakel bei, das in einem sehr modernen und hell erleuchteten Stadion stattfand. Zu Beginn noch im neutraleren Viertel sitzend, wagten wir uns in der zweiten Halbzeit in den Jiangsu-Fanblock. Hier war alles blau, da die Fans nat├╝rlich Trikots trugen. Wir wurden ├╝berrascht, aber positiv wahrgenommen. Europ├Ąer scheinen an chinesischen Fu├čballspielen auf Grund der eigenen st├Ąrkeren Ligen nicht interessiert zu sein, weshalb ausl├Ąndischer Besuch im Stadion sehr selten ist. Freundlich wurden wir um Fotos gebeten, ein Zustand, an den wir uns eigentlich langsam gew├Âhnen sollten, der uns aber immer noch sehr skurril vorkam. Leider verlor das von uns favorisierte Team Jiangsu, dennoch hatte es uns beiden Spa├č gemacht.

Sonntags machten wir uns auf nach Yangzhou, einer Stadt in der N├Ąhe Zhenjiangs. Leider konnten uns unsere chinesischen Gastgeschwister, wie auch schon am Tag zuvor, nicht begleiten, da sie den verpassten Schulstoff mit ihrer Lehrerin zusammen nacharbeiten mussten. In Yangzhou besuchten wir zun├Ąchst einen gro├čen Park, der einige alte Geb├Ąude beinhaltete und heute eine Attraktion f├╝r Touristen aus der ganzen Region darstellt. Nach einem Rundgang folgte noch eine Bootsfahrt durch den Park. Je 12 Mann konnten auf ein Boot, das jedoch nur von je einer zierlichen Dame gesteuert und ohne Motor gefahren wurde. Diese gab am Ende der Fahrt ein traditionelles chinesisches Lied zum Besten, was die sch├Âne Atmosph├Ąre um uns herum noch weiter unterst├╝tzte. Zum Mittagessen brachte man uns nat├╝rlich wieder in ein edles Lokal, diesmal ein Steakhouse, das uns noch brutzelnde Steaks servierte. Auch hier stand uns wieder ein umfangreiches Buffet zur Verf├╝gung, allerdings wurden auch wieder viele ungefragte Fotos gemacht, was besonders den weiblichen Teil der Gruppe st├Ârte. Nachfolgend besichtigten wir die Altstadt, die beginnend mit einem gro├čen Tor, das ehemals Teil der Stadtmauer war, in einer langgezogenen, mit alten H├Ąusern ges├Ąumten Stra├če, m├╝ndete. Auch hier befanden sich wieder zahlreiche Gesch├Ąfte, was nat├╝rlich ausgiebig von uns genutzt wurde. Zum ersten Mal sahen wir auch andere "Nichtasiaten". Es handelte sich um eine australische Sch├╝lergruppe, die sich gerade ebenfalls auf einem Austausch befand. Nachdem mich eine Australierin angesprochen hatte, folgte kurz darauf eine Chinesin in unserem Alter, die, ganz aufgeregt, mit uns reden wollte und uns kleine Geschenke machte. Der Tag verging schnell und so fuhren wir bald wieder in Richtung Zhenjiang.

Als n├Ąchstes stand die Stadt Suzhou auf dem Plan, die sich doch schon ein ganzes St├╝ck entfernt von Zhenjiang befindet. Aus diesem Grund ├╝bernachteten wir auch ausnahmsweise in einem Hotel. Endlich angekommen, besuchten wir den "Humble Administrator's Garden", einen der vier ber├╝hmtesten G├Ąrten Chinas. Die sehr sch├Âne Parklandschaft mit vielen alten Geb├Ąuden im Stil der Ming-Dynastie schaffte es ├╝brigens auch auf die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO. Man findet hier auch einen schiefen Turm, der sich auf dem Tigerh├╝gel befindet. Dabei bildet ein Mondtor den Mund, zwei kleine runde Fenster daneben die Augen und der Turm den Schwanz des Tigers. Das alles wurde uns von unserem F├╝hrer erkl├Ąrt, dessen Englisch uns sehr zusagte (das Englisch anderer F├╝hrer war teilweise nur sehr schwer zu verstehen). Zum Abendessen waren wir in ein von Deutschen gef├╝hrtes Luxushotel zum Essen eingeladen worden, das eine "Paulanerstube" betreibt, in dem es, ganz im Stile des Oktoberfests, traditionelles deutsches Essen gab. Wir putzten uns alle bestm├Âglich heraus und machten uns auf den Weg. Allein die Eingangshalle lie├č manch einen Mund offen stehen, weshalb wir froh waren in der "rustikaleren" Stube zu essen (wir kamen uns etwas ÔÇ×underdressedÔÇť vor). Zu Beginn wurden Brotk├Ârbchen mit Brezeln und deutschem Brot aufgetragen, die sich ziemlich schnell leerten. Es folgte Salat mit Wurst und K├Ąse, darauf dann Salat mit Knoblauchbrot. An diesem Punkt waren wir schon nicht mehr f├Ąhig die riesige Menge an gutem Essen zu meistern. Der Hauptgang fehlte jedoch noch: Gro├če Teller voll mit Sauerkraut und Kartoffelbrei, darauf Wei├čwurst, Bratw├╝rste aller Art, N├╝rnberger W├╝rste und Schweinshaxe, von denen sich jeder nehmen konnte, was er wollte. Doch damit noch nicht genug! Nach so vielen G├Ąngen darf nat├╝rlich das Dessert nicht fehlen. Einige hatten schon mit dem "Schlimmsten", n├Ąmlich Schwarzw├Ąlder Kirschtorte, gerechnet, was sich, angesichts unserer voller M├Ągen, gl├╝cklicherweise nicht best├Ątigte. Wir bekamen wundersch├Ân dekorierte Obstteller mit verschiedenen Melonen, Orange, Apfel und Drachenfrucht serviert. Zur├╝ck in unserem Hotel, das zwar nicht f├╝nf Sterne hatte, aber dennoch sehr komfortabel war, wurde noch gem├╝tlich in kleineren Gruppen geplaudert, bis wir dann alle m├╝de ins Bett fielen.

Das Hotelfr├╝hst├╝ck war ein typisch chinesisches: Es stand eine gro├če Auswahl an herzhaften, warmen Sachen, die wir eher als Mittagessen bezeichnen w├╝rden, zur Verf├╝gung. Das Toastbrot und die Marmelade fielen manchen erst auf, als es schon zu sp├Ąt und die Teller voll mit teilweise Unbekanntem, Exotischem waren. Frisch gest├Ąrkt fuhren wir dann zu einer netten Einkaufsstra├če, die um einen alten taoistischen Tempel herum lag. Hier hatten wir eine Weile "Freilauf", was die meisten dazu nutzten sich mit den g├╝nstigen chinesischen Alternativen teurer westlicher Produkte einzudecken. Hier wurde flei├čig gehandelt und gefeilscht, was bei so manchem am Ende tats├Ąchlich, trotz fehlender Englischkenntnisse auf Seiten der Verk├Ąufer, mit Erfolg gekr├Ânt war. Die Zeit verging wieder schnell und so befanden wir uns bald beim Mittagessen in einem Hotel. Dieses Essen gestaltete sich wieder als kleines Abendteuer, da viele uns unbekannte Gerichte aufgetragen wurden. Also probierten einige Mutige, hier sei besonders Tobias namentlich genannt, die Suppe mit wei├čen "Nudeln/Fisch". Diese Nudeln entpuppten sich als eine Art Molch, sogar mit Augen und Miniaturwirbels├Ąule.

Weiter ging es in einen anderen Garten als am Vortag, der ebenfalls sehr sch├Ân zu durchwandern war. Einige h├╝bsche, typisch chinesische Br├╝cken und alte Schiffe trugen ihr ├ťbriges dazu bei. Highlight aber waren die traditionell gekleideten chinesischen Damen, die erst klassische Instrumente spielten und sp├Ąter zu einem Foto mit ihnen einluden, gegen einen kleinen Obolus, versteht sich. Herr Nagel lie├č sich als Einziger darauf ein, was uns ein sehr am├╝santes Foto bescherte.

Vor der R├╝ckfahrt nach Zhenjiang kauften wir uns noch ein Eis, das bei den Temperaturen ein wahrer Segen war. Dann ging es auch schon wieder los. Da wir im Bus, besonders im hinteren Teil, eine sehr party- und schlagerfreudige Teilgruppe hatten, musste zun├Ąchst noch eine Absprache ausgehandelt werden. Schlie├člich einigte man sich auf maximal eine Stunde Beschallung. Mehr konnte der Rest, nach einer komplett "musikalisch" unterlegten Hinfahrt, nicht ertragen. Zur├╝ck bei unseren Gastgeschwistern, die wie immer samt Eltern geduldig an der Schule auf uns warteten, ging jeder seines Weges. Meine Gastschwester, die ich bis dahin nur einmal sehr kurz gesehen hatte (sie studiert an einer Universit├Ąt weiter weg), lud mich in ein Steakhouse ein. Mein eigentlicher Austauschpartner, ihr Bruder, musste zum Abendunterricht, der nochmal bis um 21:00 Uhr dauert. Er konnte uns also leider nicht begleiten. Meine Gasteltern sprechen beide kein Englisch, weshalb sie wohl auch nicht zum Essen mitkamen. Mir hat es eine gro├če Freude gemacht, meine Gastschwester auf diese Weise besser kennenlernen zu k├Ânnen. Danach besuchten wir noch einen Supermarkt in der N├Ąhe, eigentlich mussten wir sogar nur ├╝ber die Stra├če gehen, was sich aber immer wieder als Abenteuer mit ungewissem Ausgang darstellt. Letztendlich l├Ąuft es darauf hinaus, dass man einfach losl├Ąuft, auch wenn die Autos, Busse und Mofas keinerlei Anstalten machen, auch nur langsamer zu werden. Wir schafften es tats├Ąchlich unversehrt hin├╝ber, wo wir dann noch kurz eine Freundin meiner Gastschwester trafen, die mich unbedingt kennenlernen wollte. Sie hatte n├Ąmlich noch nie in ihrem Leben mit einem Ausl├Ąnder gesprochen und wollte sich diese Gelegenheit auf keinen Fall entgehen lassen. Im Supermarkt angekommen, dachte ich eigentlich, endlich sicher vor dem drau├čen herrschenden Verkehr zu sein. Pustekuchen: Im Innern dieses riesigen Ladens mit einem Sortiment, das weit ├╝ber das eines normalen Supermarkts hinausgehen, waren unglaublich viele Menschen, alle mit einem Einkaufswagen vor sich. Obwohl der Laden mehrere Stockwerke hat, gab es keine leere Fl├Ąche. Das alles w├Ąre jedoch kein Problem, wenn nicht jeder einfach darauf los laufen w├╝rde, vollkommen die Stromrichtung der Menge ignorierend. Kurz: Ich f├╝hlte mich wie drau├čen auf der Stra├če, Stress pur. Passend dazu lief keine "Einkaufshausmusik", sondern chinesischer Rock (?), der die ohnehin schon aggressive Stimmung weiter anheizte. Wobei niemand au├čer mir diese Aggressivit├Ąt als solche wahrzunehmen schien, was nicht weiter verwunderlich ist, bedenkt man, dass ich weit und breit die einzige Ausl├Ąnderin war (die Aufmerksamkeit der Leute hatte ich damit sicher).

Bevor wir zum n├Ąchsten Ausflug aufbrachen, hatten Rosalie und ich die Gelegenheit, am morgendlichen Englischunterricht unserer Gastgeber teilzunehmen. Dieser gestaltete sich ganz anderes als eigentlich erwartet. So stand die Lehrerin, deren Englisch uns nicht so recht ├╝berzeugen wollte, vorne auf einem Podest vor der Tafel und las den englischen Text, den alle 60 Sch├╝ler vor sich hatten, vor. Dabei stoppte sie immer nach etwa der H├Ąlfte eines Satzes und ├╝bersetzte diesen ins Chinesische. Die L├Âsungen der L├╝cken im Text verk├╝ndete sie dabei auch noch, wobei hier lediglich zwischen bereits vorgegebenen Vokabeln entschieden werden musste. M├╝ndliche Mitarbeit der Sch├╝ler schien nicht erw├╝nscht zu sein. Die Stunde gestaltete sich also eher langweilig f├╝r die Sch├╝ler, die uns best├Ątigten, dass der Unterricht immer nach diesem Muster ablaufe. Eigentlich war der Kontrollgang der Klassenlehrerin, die vor der Fensterfront des Zimmers quasi patrouillierte, also gar nicht so verwunderlich. Sie ├╝berpr├╝fe, dass kein Sch├╝ler schlafe und niemand etwas nebenher mache, wurde uns gesagt. Aber hier macht die ├ťberwachung noch nicht halt: die Kamera, angebracht in einer vorderen Ecke des Klassenzimmers, dient wohl zur zus├Ątzlichen Aufsicht bei Klassenarbeiten. Nach dieser sehr aufschlussreichen Stunde sahen wir unseren deutschen Unterricht in einem ganz anderen, positiveren Licht.

Nanjing war unser heutiges Ausflugsziel, das wir nach ca. zweist├╝ndiger Busfahrt dann auch gut erreichten. Zuerst erklommen wir die 392 Stufen des Sun-Yat-Sen-Mausoleums, wo sich das Grab des ersten provisorischen Pr├Ąsidenten der Republik China, Sun-Yat-Sen, befindet. Hier trafen wir auch auf eine gr├Â├čere Gruppe ├Ąlterer Deutscher, die als Touristen unterwegs waren. Nach dem Mittagessen nach gewohnter Art begaben wir uns in eine breite Einkaufsstra├če. Hier fanden wir sogar einen Markt im Underground. Der Eingang, ein Treppenabstieg, war eigentlich nicht als solcher zu erkennen, da aber die Neugier siegte, wagten wir einen Blick und wurden nicht entt├Ąuscht. Unglaublich viele kleine Gesch├Ąfte eng beieinander bildeten ein schier nicht enden wollendes Labyrinth. Zu kaufen gab es alles, von Kleidung ├╝ber Elektronik bis hin zu Essen. Trotz der Gr├Â├če schien alles eher inoffiziell zu existieren, so waren z.B. Fluchtwege und L├╝ftungen nicht zu erkennen. In der Folge waren wir dann auch froh, als wir endlich wieder frische Luft drau├čen atmen konnten. Viel zu schnell mussten wir uns wieder auf den Weg zur Schule begeben, da wir nicht das Gef├╝hl hatten, wirklich etwas von Nanjing gesehen zu haben.

Der erste freie Tag von drei Feiertagen begann ganz entspannt. Zum ersten Mal war ein Ausschlafen bis 8 Uhr m├Âglich. Dann gab es nach dem Fr├╝hst├╝ck erstmal Entspannung auf dem Sofa. Irgendwann brachen wir dann auf, um in der Stadt in einem s├╝dkoreanischen Restaurant zu essen. Die Speisen waren vorz├╝glich. Alles wurde frisch am Tisch im eingebauten Glutgrill gebraten. Dazu gab es noch einige Beilagen, wie z.B. einen Kartoffelsalat, der viele Apfelst├╝ckchen und Rosinen enthielt. Weiter ging es bald zum "Shopping", wo wir noch einmal eine gute M├Âglichkeit hatten Souvenirs und ├ähnliches zu kaufen. Am Abend waren meine Gastfamilie und ich zum Essen eines Freundes der Familie eingeladen. Dieser feierte seinen Umzug in eine neue Wohnung und gleichzeitig das heute beginnende Mondfest. Bei einem Umzug wird in China wohl immer gro├č gefeiert, damit alle Freunde gratulieren und Gl├╝ck f├╝r die Zukunft w├╝nschen k├Ânnen. Das Essen selbst war ein original Chinesisches: Viele Teller auf einer Drehscheibe in der Mitte des runden Tisches und wenige besondere Gerichte f├╝r jeden einzeln. Gerade diese "besonderen" Gerichte ├╝berforderten mich ein wenig. So gab es zum Einen gebackene Wachtel, was ich auch probierte, zum Anderen gekochte Schildkr├Âte, was ich nicht einmal anr├╝hrte. Gelernt habe ich aber auf diese Weise, dass ├╝berraschend viel Fleisch an diesen kleinen gepanzerten Wesen h├Ąngt, man muss nur den Panzer anheben. Alle hatten Verst├Ąndnis f├╝r meine Appetitlosigkeit, was die Schildkr├Âte betraf und fanden meinen Gesichtsausdruck eher am├╝sant. Diese Aktion brachte nat├╝rlich weiteren Gespr├Ąchsstoff ├╝ber mich, die Ausl├Ąnderin, man redete n├Ąmlich schon eine Weile ├╝ber mich am Tisch. Nat├╝rlich konnte ich nichts verstehen, ich beherrsche kein Chinesisch, aber es wurde immer wieder auf mich gedeutet, was ich dann doch als eindeutig empfand. Ihre Gespr├Ąche wurden nur unterbrochen, wenn ein anderer Gast bzw. der Gastgeber an den Tisch kamen, um anzusto├čen. Dann musste jeder aufstehen, sein Glas erheben, einen Sto├č andeuten und einen guten Schluck nehmen. Meine Gastschwester kehrte mit mir relativ schnell wieder nach Hause zur├╝ck, ihr war bewusst, dass es sehr langweilig werden musste, wenn man nichts verstand. Wir schauten uns noch eine Fernsehshow zum Mondfest an, bei dem viel gesungen wurde (haupts├Ąchlich chinesischer hoher Frauengesang), bevor ich mich dann aufmachte zu meinem Bett in der Wohnung der Tante.

Der n├Ąchste Tag begann ebenfalls ganz gem├╝tlich. Nach einem sp├Ąten Fr├╝hst├╝ck widmete sich jeder f├╝r zwei Stunden eigenen Dingen, im meinem Fall einem Buch ├╝ber chinesische Sitten. Gegen Mittag trafen wir dann Rosalie und ihre Austauschpartnerin zum Essen im Restaurant. Danach bummelten wir durch Zhenjiang und fanden uns am Abend mit den gleichen G├Ąsten des Mittags im schicksten Lokal der Stadt ein. Hier hatten wir einen eigenen Raum, in dem sich neben dem riesigen runden Tisch f├╝r 18 Personen sogar eine eigene kleine K├╝che f├╝r das Personal befand und eine private, normale Toilette (sprich: kein Loch im Boden, das einem sogar in den edelsten Lokalen begegnen kann). Es wurde wieder viel gelacht und geredet, Erinnerungsfotos durften nat├╝rlich auch nicht fehlen. Auch hier fiel uns wieder der ├╝berm├Ą├čige Gebrauch von Smartphones w├Ąhrend dem Essen auf. ├ťbrigens: Wer in China gerade ein kleines P├Ąuschen macht, sitzt entweder an seinem Handy, oder schl├Ąft hemmungslos tief und fest, mit dem Kopf auf dem Tisch in der ├ľffentlichkeit. Der Abend klang mit einem Spaziergang durch ein Altstadtviertel in der N├Ąhe aus. Der letzte "freie" Tag sollte uns erneut nach Nanjing f├╝hren. Diesmal aber fuhren wir nicht mit dem Bus, sondern mit dem chinesischen Schnellzug (entspricht dt. ICE). Der Bahnhof gleicht einem kleinem Flughafen: Fahrtickets gibt es nur gegen Vorzeigen des Ausweises, Einlasskontrollen, samt "Gep├Ąckr├Ântgen", finden statt und das Ticket muss nicht nur beim Antritt der Reise vorgezeigt werden, sondern auch beim Verlassen des Zielbahnhofs. Was mit denen passiert, die im Zug ihren Fahrschein verlieren, wurde uns nicht ganz klar. In Nanjing selbst ging es, wie k├Ânnte es anders sein, wieder ans Shoppen. P├╝nktlich um 12 legten wir einen Zwischenstopp ein. Es gab Pizza zu essen! Rosalie und ich a├čen beide je eine gro├če Pizza, was uns ungl├Ąubige Blicke unserer Austauschsch├╝ler einbrachte. Schlie├člich hatten wir die letzten eineinhalb Wochen nie viel mehr als zwei kleine Sch├╝sseln Reis mit etwas Gem├╝se verspeist. Lustigerweise a├čen die Chinesen nicht einmal eine kleine Pizza. Nach weiteren drei Stunden des Einkaufsbummels hatten wir die Nase von den platztechnisch sehr eingeschr├Ąnkten L├Ąden gestrichen voll. Auf die Frage nach anderen Aktivit├Ąten in Nanjing fiel unseren Partnern nicht viel mehr als ein Tempel, den wir bereits besichtigt hatten, oder "more shopping" ein. Schade eigentlich, wobei ich hier keine Kritik an unseren Gastgeschwistern ├╝ben will. Die Anmerkung bezieht sich viel mehr auf das ganze Kulturprogramm unseres Aufenthalts. Bisher hatten wir eigentlich nur chinesische G├Ąrten oder Tempelanlagen (Ausnahme: das Essigmuseum) zu Gesicht bekommen. Sicher hat ein Land mit solch einer langen Geschichte noch weitere Gesichter? Dieser Tag endete ausnahmsweise einmal ohne Restaurantbesuch, hatten wir uns doch am Mittag die M├Ągen mit Pizza (zu) gut gef├╝llt.

Am Folgetag stand wieder Natur auf dem Programm. Wir fuhren zu den bekannten Maoshan-H├╝geln. Hier befindet sich in einiger H├Âhe ein alter buddhistischer Tempel, von dem man den ihm gegen├╝berliegenden, aber auf einem anderen H├╝gel befindlichen, Tempel mit riesiger Laotse-Statue (33m hoch, 106 t schwer) sehen kann. Dieser Koloss ist wirklich beeindruckend. Hat man den Treppenaufstieg zum Fu├če der Statue gemeistert, wird man sich dessen Gr├Â├če umso mehr bewusst. Nach dem Mittagessen ging es weiter zur Traubenernte auf einem kleinen privaten Feld. Entgegen unserer Erwartungen fanden wir uns nicht auf einem Weinberg, sondern im reinsten Flachland wieder. Jeder erntete flei├čig, so dass am Ende zahlreiche gro├če K├Ârbe mit leckeren Trauben gef├╝llt waren. Die 1st Middle School of Zhenjiang schenkte jedem von uns einen Karton voll mit den Fr├╝chten.

Unser letzter voller Tag in der Partnerstadt Mannheims fand in der Schule statt. In der Schulkantine durften wir selbst, nach einer kurzen Anleitung, ÔÇ×JiaoziÔÇť, eine Art chinesische Ravioli, herstellen. Sp├Ąter hielt der Rektor der Schule eine Abschiedsrede und ├╝bergab einige Geschenke f├╝r das KFG. Frau Mair bedankte sich herzlich f├╝r die Gastfreundschaft und lud zum R├╝ckaustausch 2015 nach Mannheim ein. Auch sie ├╝bergab einige Geschenke. Nach dem Mittagessen, das wir gerade selbst zubereitet hatten, und einer Pause erfuhren wir in einem Geschichtsunterricht alles Wichtige ├╝ber die lange Historie Chinas. Zum Abschluss zeigte man uns noch eine BBC-Dokumentation ├╝ber den S├╝den des Landes und dessen einzigartige Tierwelt. Nun war eigentlich das Tagesprogramm zu Ende, unsere Gastgeschwister organisierten jedoch ein Abschiedsessen im Restaurant f├╝r uns. Hier ging es wirklich lustig zu. Es wurde noch einmal viel geredet, der Abschied kam schlie├člich mit gro├čen Schritten n├Ąher. Viel zu fr├╝h mussten wir uns auf den Weg zum Kofferpacken machen, was aber leider nicht weiter verschoben werden konnte, trafen wir und doch schon fr├╝h am n├Ąchsten Tag.

Nachdem wir uns von unseren Gastfamilien verabschiedet hatten, trafen wir uns alle noch einmal vor der Schule. Hier wurden letzte Gru├čworte zwischen den Teilnehmern des Austauschs gesprochen. Dann ging es auch schon los nach Shanghai. Wir besichtigen die beeindruckende Altstadt und die im krassen Gegensatz dazu stehende ber├╝hmte Skyline. Nach dem Abendessen umfuhren wir diese sogar mit einem Schiff. Zwar hatten wir theoretisch das alles am Mittag schon gesehen, aber bei Dunkelheit scheint alles doch ganz anders auszusehen, da die meisten Geb├Ąude farbenfroh beleuchtet sind. Einige gleichen sogar riesigen Werbetafeln. Erst danach fuhren wir zum Hotel, das allen zusagte. Am n├Ąchsten Morgen ging unser Flug ├╝ber London nach Frankfurt, den wir gut ├╝berstanden. Gegen Mitternacht kamen wir schlie├člich ersch├Âpft, aber gl├╝cklich am KFG an.



Abschlie├čend m├Âchte ich anmerken, dass dieser Austausch besonders das Verst├Ąndnis f├╝r andere Kulturen und Sitten gef├Ârdert hat und zumindest mir zeigte, dass nicht alles immer so ist, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint. China ist ein Land gigantischer Ausma├če, die Organisation von Milliarden von Menschen ist, meiner Meinung nach, eine Meisterleistung. Man sollte diesem Staat im Umbruch den ein oder anderen "Fehler" nachsehen. Ich kann jedem nur empfehlen, selbst an diesem Austauschprogramm teilzunehmen. Die chinesische Gastfreundschaft hat mich schwer beeindruckt, so dass ich jederzeit wieder ins Land der Mitte reisen und mich freuen w├╝rde, meine Gastgeber wieder zu sehen.

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