Gedenkfeier für die Deportation von Juden nach Gurs
Am 22. Oktober 2025 wurde der Deportation südwestdeutscher Juden in das südfranzösische Lager Gurs gedacht. Als Träger des Abrahampokals war das KFG dieses Jahr verantwortlich für diese wichtige Gedenkveranstaltung. Fast alle Schüler*innen der 10. und 11. Klassen, Eltern und Lehrer*innen legten schweigend bunte Blumen am Mannheimer Glaskubus auf den Planken ab – als Zeichen für die vielfältigen Menschen, die Opfer der Nazis geworden waren.
Außerdem spielten vier Mitglieder der Big Band das stimmungsvolle Lied „Petite Fleur“ und Schüler*innen der Religions- und Ethikgruppen trugen Gedichte und Gedanken vor. Einige der erarbeiteten Texte sind unten zu sehen.
Weitere Redner waren Oberbürgermeister Christian Specht und Rita Althausen und Cornelia Weber von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit.
Vielen Dank an alle, die diese teils bedrückende, aber sehr eindringliche Veranstaltung unterstützt haben.
Text: Vitus Epp (6a) und die Rasenden Reporter
Bilder: Julia Spechtel und Anne Hartmann
WIE WIR
Ich lauf durch Mannheim, Schritt für Schritt,
tausend Geschichten trag ich mit
von Menschen, die liefen, ganz still, ganz allein
mit Koffern voll Angst, durften nicht mehr da sein.
SIE WAREN HIER, SIE WAREN WIE WIR.
Verzweifelt geguckt, ob jemand was sagt
doch alle schauten weg, als wär’s nicht ihre Tat.
Hilflos gewartet, ob jemand sie sieht
doch niemand kam und die Hoffnung verzieht.
SIE WAREN HIER, SIE WAREN WIE WIR.
Ein Stein im Boden, gold und still
erzählt von dem, was keiner hören will.
Ich ging drüber weg, doch dann blieb ich stehn
und dachte: Wie konnte das damals geschehn?
SIE WAREN HIER, SIE WAREN WIE WIR.
Ich war nicht dort
Ich war nicht dort.
Nicht als der Mann mit dem Zweifingerbart an die Macht kam.
Nicht als Menschen mit Zügen an Orte gebracht wurden,
die weit schrecklicher sind,
als das, was ich mir vorstellen kann.
Nicht als der Krieg ausbracht.
Nicht als das Alles sein Ende fand.
Doch ich bin hier.
Auf demselben Boden.
Unter derselben Sonne.
Ich war nicht dort,
doch ich bin hier.
Im Hier und Jetzt.
Im Hier und Jetzt,
wo Lügen sich als Wahrheit verkleiden.
Wo Hass und Gleichgültigkeit wieder drohen, die Macht an sich zu reißen.
Wo Menschen vergessen wollen, weil das Erinnern sie quält.
Ich war nicht dort.
Ich kann nichts dafür, was da geschah.
Ich trage keine Schuld.
Doch ich bin hier.
Hier, um etwas zu tun.
Und nicht zu vergessen.
Erinnerung hat kein Ende
Ich stehe vor den unzähligen Namen
In Glas geschrieben und frage mich
Wie kann so etwas passieren?
Der Wind streicht über all die Namen
Wie jemand, der helfen will, aber machtlos ist.
Hier ruht nicht nur die Vergangenheit –
hier ruht Vertrauen,
Vertrauen, das gebrochen wurde
Und Menschlichkeit,
die hätte bleiben sollen.
Ich gehe vorbei an vielen goldenen Steinen,
niemals hätten sie dort sein sollen.
Schritt für Schritt nehme ich sie im Herzen mit.
Denn wer weiter erinnert,
gibt Vergangenen noch einmal den Atem,
den sie verdienen.
SIE GINGEN
Sie kamen mit Listen,
nicht mit Fragen.
Mit Zahlen statt Namen,
mit Ordnung statt Herz
Ein Wort genügte,
ein Klick, ein Befehl,
und Nachbarn wurden Fremde.
Sie gingen –
Nicht weil sie wollten,
sondern weil andere entschieden,
wer Mensch sein darf.
Ein Koffer stand da, namenlos –
Irrelevant, einsam und abgeschlossen.
Ein Bahnsteig, grau.
Ein Abschied, groß.
Und jetzt?– ein kurzer Dialog
Ort: Bank nahe dem Glaskubus
Zeit: nach der Gedenkveranstaltung
- Du bist so still
- Es ist einfach …… viel
So viele Namen. So viel Schweigen.
- Und so wenig Widerstand damals.
Das macht mich wütend. Und traurig.
- Ich frage mich die ganze Zeit:
Was hätte ich getan?
Wäre ich still geblieben?
- Die ehrlichere Frage ist:
Was tun wir HEUTE?
Wenn wieder gehetzt wird.
Weggeschaut.
- Immer denkt man:
„So etwas passiert nie wieder“
Aber dann hörst du die Parolen,
sie klingen nicht alt.
Sie klingen nach jetzt.
- Deshalb sind wir hier.
Nicht nur zum Erinnern.
Sondern zum FRAGEN.
Und zum HANDELN.
(kurze Stille)
- Und was bleibt?
- Das, was wir daraus machen.
Wahrheit?
Bilder können lügen,
sie zeigen nicht, was ist.
Manchmal sieht man Glanz und Ordnung,
doch das Leid bleibt ungewiss.
In Gurs war nichts schön oder hell,
es war kalt, eng und schwer.
Die Zeichnungen der Gefangenen
erzählen davon mehr.
Die Täter zeigen saubere Räume,
als wäre alles sehr gut.
Doch wer genau hinschaut, merkt schnell,
das kostet Mut.
Drum frag dich, was du wirklich siehst,
wenn jemand dir was zeigt.
Erkenne, wo die Wahrheit liegt.