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Seminarkurs - was ist das?

Liebe Schülerinnen und Schüler der Einführungsphase (G8: Kl. 10, G9: Kl. 11)!

 

In der nächsten Zeit steht bei euch die Kurswahl an. Wenn ihr bereits das Kurswahlprogramm im Internet durchgegangen seid, dann ist euch bei den Fächern vielleicht ein Kurs aufgefallen, unter dessen Bezeichnung ihr euch recht wenig vorstellen könnt: Seminarkurs, abgekürzt SK. Ein Seminarkurs erstreckt sich über ein Schuljahr, und zwar in der Kursstufe 1. Wir möchten euch hier einen kleinen Einblick geben, was dieser merkwürdige, irgendwo ganz hinten im Wahlbereich angesiedelte Kurs eigentlich ist.

 

Zunächst einmal ist der Seminarkurs kein jedes Jahr wiederkehrender Kurs mit festem Inhalt wie Geschichte oder Mathematik. Unter dem „Tarnnamen“ SK verbergen sich Jahr für Jahr Kurse zu unterschiedlichen, fächerübergreifenden Themenkomplexen, die über die sonstigen schulischen Inhalten hinausgehen, sich aber mindestens einem, oft auch zweien der sogenannten Aufgabenfelder zuordnen lassen (sprachlich-literarisch-künstlerisch, gesellschaftswissenschaftlich, mathematisch-naturwissenschaftlich-technisch). Die Idee zu einem solchen Kurs kann von Lehrern stammen, aber auch ihr Schüler könnt Vorschläge machen. Die Seminarkurs-Themen lauteten in den vergangenen Jahren z.B. „Luther“, „Israel“, Mannheim 17 ½“, „Nachhaltigkeit“, „Der Erste Weltkrieg“, oder „Jüdische Schüler am KFG Mannheim.“

 

Wie bereits der große Assoziationsspielraum dieser Titel vermuten lässt, ist das Spektrum der möglichen Inhalte breit gefächert. In der Regel erarbeitet man sich während des ersten Halbjahres erst einmal gemeinsam die „Basics“ des übergeordneten Themas – angeleitet von den beiden Seminarkurslehrern. Dann muss sich jeder Teilnehmer selbständig für ein Unterthema oder Teilgebiet entscheiden, zu dem er im zweiten Halbjahr eine schriftliche Seminararbeit anfertigt und selbige anschließend präsentiert. Je breiter das Themengebiet des Kurses ist, desto mehr Möglichkeiten bieten sich für eine solche Arbeit. Jedoch schrumpft dadurch auch die Möglichkeit, nach einem einfachen Schema vorzugehen, sprich, es ist mehr Arbeit vonnöten.

Die Erarbeitung möglicher Inhalte soll von den Kursteilnehmern selbständig durchgeführt wurde, wie auch überhaupt auf Selbstständigkeit und eigenständiges Arbeiten großer Wert gelegt wird. So werden beispielsweise eigene Texte verfasst und dann gegenseitig analysiert und kritisiert (auf diese Weise ist dieser Text, den ihr gerade lest, entstanden). Dies gehört zum zweiten übergreifenden Ziel des Seminarkurses: die Vorbereitung auf das Arbeiten an einer Hochschule. Dort sind nämlich zusätzliche Hilfestellungen, ausführliches Üben u.ä. in der Regel eine große Seltenheit; der Stoff muss in vielen Fällen fast vollständig selbst erarbeitet werden. Oft bilden Studenten Arbeitsgruppen, die dies gemeinsam in Teamarbeit tun – all das könnt ihr im Seminarkurs lernen und einüben.

 

Weiter gehört zum Ziel der Hochschulvorbereitung natürlich auch eine vielfältige Methodenkompetenz: Die Bereiche Dokumentation/Auswertung, Recherche/Strukturierung, Diskussion und Präsentation/Visualisierung folgen bestimmten Regeln, die man sich als Schüler, Studierender und auch in der Wirtschaft später zu Nutze machen kann und sollte. Die Vermittlung solcher Methoden kann z.B. in einer eigenen Unterrichtseinheit zum Thema „Eigenschaften eines guten Textes“ eingebracht werden. Den Bereich Recherche wiederum kann man sich am besten nach dem Prinzip „learning by doing“ aneignen. In Seminarkursen wird hierbei großer Wert darauf gelegt, nicht nur das beliebte, weil einfach handhabbare und schnelle Medium Internet zu nutzen, sondern auch die klassische und wissenschaftlich fundierte Variante der Printmedien. Manchmal wird für einen Seminarkurs ein spezieller „Seminarapparat“ der wichtigsten Bücher und Zeitschriften zum Thema angelegt, der für Mitglieder des Kurses frei zugänglich ist. Bei der Lektüre von Quellen folgt oft eine Diskussion über die Interpretation. Die Fähigkeit zu argumentieren und eine gute Diskussionskultur gehören in vielen Wirtschaftszweigen nicht nur zum guten Ton, sondern sind von essentieller Wichtigkeit für das Fortkommen auf der Uni und im Beruf.

 

Natürlich gibt es für jeden Bereich auch andere Methoden, denn wie gesagt: Jeder Seminarkurs ist anders. Gearbeitet werden kann je nach Thema auch im freien Feld, an verschiedenen Informations- und Bildungseinrichtungen wie dem Stadtarchiv oder einem Museum, wenn Firmen beteiligt sind in deren Räumen usw.

Die Form des Kurses kann eher frontal und „schulmäßig“ sein, also beispielsweise ein Vortrag oder eine Präsentation, möglich sind aber auch Gruppenarbeiten unterschiedlichster Art (z.B. zu zweit einen Roboter bauen und programmieren), Führungen, Experimente und vieles mehr.


Gemeinsam ist allen Seminarkursen vielleicht die Tatsache, dass viel Arbeit investiert werden muss, und die Seminarkursstunden in der Regel am späten Nachmittag liegen, aber auch, dass für das weitere Leben als Lernender ein großer Vorteil erwachsen kann, von dem fachlichen Gewinn mal ganz abgesehen.

 

Viel Glück und Erfolg in der Kursstufe!

 

P.S.: Wie für alles an dieser Schule gibt es auch für die hier angebotenen Seminarkurse eine Informationsveranstaltung. Neben den anderen Wahlkurse (wie Philosophie, Psychologie, Literatur und Theater, Astronomie u.a.) werden dort die Seminarkurse des nächsten Jahres vorgestellt. Dort kann man dann erfahren, was sie für Inhalte haben. Ist der Kurs neu oder hat es ihn vielleicht schon mal gegeben? Wie präzise ist das Konzept? Wie stark könnt ihr an der Gestaltung der Inhalte mitwirken? Überlegt euch Fragen, die ihr den Kursleitern stellen könnt, damit eure Wahl vereinfacht wird!

 

Autor: Jonathan Kastl (Seminarkursteilnehmer 2007), bearbeitet von M. Holtermann (Nov. 2016)

 

Welche Bedingungen für den Seminarkurs gelten, wie abgerechnet bzw. ins Abitur eingebracht werden kann, erfährt man im Leitfaden.

© KFG-Foto in der Kopfleiste: Rudolf Stricker Startseite